Moin, liebe Demokraten

Flaschenpost - die Kolumne jeden Freitag im ROSTOCKER JOURNAL. Foto: GÜNTHER GUMHOLD / PIXELIO.DE

Jeden Freitag spült die Ostsee eine Flaschenpost an den Strand. Der dort enthaltende Brief richtet sich an eine Person oder eine Gruppe von Rostockern. Meinungsstark und pointiert befasst er sich mit den Geschehnissen der Woche.

 

Moin, liebe Demokraten,

es ist auch manchmal nicht einfach. Wir sehen die Demokratie als die höchste, beste und vernünftigste Form des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Und das ist sie auch. Mit ihren Vorteilen, aber auch mit ihren Tücken.

Viel Kritik gab es an den zwei Demonstrationen der NPD.

NPD steht für Nationaldemokratische Partei Deutschlands. Das heißt sie sind rechts, aber auch irgendwie demokratisch. Jedenfalls nennen sie sich so – darüber kann man allerdings streiten.

Worüber man aber nicht streiten kann, ist, dass sie in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern gewählt wurden. Klar, das ist ein Armutszeugnis für das Land und vor allem für dessen Politiker. Aber auch für die Demokratie? Wohl kaum, schließlich hat irgendwer von seinem Wahlrecht Gebrauch gemacht und sie auf seinem demokratischen Stimmzettel angekreuzt.

Das waren so viele, dass sie auch mehrere Sitze im Landtag bekommen haben. Immerhin mehr als die zweifelsfrei demokratische FDP. Traurig, aber wahr.

Bevor es hier gleich zum Shitstorm kommt, lasst mich noch ein paar weitere Briefzeilen schreiben.

In dieser Woche beglückte die NPD gleich zweimal den Neuen Markt in Rostock. Sie meldeten fein säuberlich ihre Demonstration aka „Asyl-Tour“ an. Bürger bekamen davon Wind, protestieren und bewarfen die National-Demo-Kraten mit Eiern. Kann man lustig finden, muss man aber nicht.

Die Polizei fand es nicht so lustig. Ist schließlich ’ne Körperverletzung. Und die Gegen-Demo war nicht angemeldet. Nun kann man, und ich finde zurecht, fragen, warum man in einer Demokratie eine Demo überhaupt anmelden muss? Das sahen auch einige Leser vom ROSTOCKER JOURNAL so, die wütend den Beitrag kommentierten. (Nö, wir schlagen uns nicht auf die Seite der NPD und auch nicht auf die der Polizei.)

Anmelden muss man eine Demo, damit die Ordnungshüter vorbereitet sind und für Sicherheit sorgen. Bei der Neuauflage der „Asyl-Tour“ wurden schließlich die Sicherheitsvorkehrungen aufgepimpt. Es regnete keine Eier mehr.

Was ist Demokratie? Wo fängt sie an? Ist es demokratisch die NPD zu verbieten? Ist es demokratisch, sie demonstrieren zu lassen? Ist es demokratisch, jeden uneingeschränkt demonstrieren zu lassen? Ist es demokratisch, den politischen Gegner mit Eiern zu bewerfen?

Es ist nicht einfach. Man fühlt in „richtig“ und „falsch“. Klar, wir haben Recht, die anderen nicht. Aber Demokratie ist eben auch, denjenigen, der unrecht hat, auch unrecht haben zu lassen. Tut weh, ist blöd.

Die Frage ist: Gilt unser demokratisches Verständnis auch für diejenigen, die unsere Demokratie mit Füßen treten, in dem sie gegen unser Grundsätze hetzen? Ich weiß es nicht und bin ratlos. Ich freue mich über eure Meinung dazu.

Liebe Demokratie, es ist nicht immer einfach mit dir.

Bis zur nächsten Freitagswelle!

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4 Comments

  1. Clemens

    2. August 2013 um 17:59

    Ich finde es krass, dass Ihr das Problem Eurer Berichterstattung nicht checkt. Da ist auf der einen Seite eine Partei, deren demokratisch gewählte MdL T-Shirts mit Aufdrucken wie „Nationaler Sozialismus jetzt!“, „Gegen Rassenmus“ und so einen ekelhaften Mist (und natürlich auch Teleskopschlagstöcke) verkauft; die auf ihren Veranstaltungen nicht einfach eine Meinung vertritt, sondern übelste Hetze gegen Ausländer betreibt und ja gar nicht leugnet einen völkisch-faschistischen Staat schaffen zu wollen. Und da ist auf der anderen Seite ein unangemeldeter Gegenprotest, von dem aus Eier fliegen. Dass Ihr nur zu Letzterem (und zwar wieder und wieder) etwas zu sagen habt, sollte Euch mal etwas zu denken geben. Besonders demokratisch ist in diesem Zusammenhang natürlich die Aussage in einem Eurer anderen Artikel, Gegendemonstranten von Linken, Grünen, Antifa wären genauso schlimm wie die Neunazis (die hätten ja quasi schon in den 20ern Schuld am Nationalsozialismus gehabt). – Ich hab zwar verstanden: wenn irgendetwas mit Opa in der Überschrift steht, dann soll es eine Satire sein. Ein Text wird aber nicht dadurch zur Satire, indem man in unangenehm drastischen Worten zu mehr Nationalstolz aufruft und darüber dann eine Zeichnung eines merkwürdigen alten Mannes setzt.

    • Oliver

      3. August 2013 um 10:08

      sorry für 2 rechtschreibfehler… by the way, sollte pastörs und konsorten gegen gesetze verstoßen, gibt es dafür das gesetzbuch. das ist freilich nicht so spannen die eier werfen, dass gebe sogar ich zu 😉

  2. Oliver

    3. August 2013 um 10:04

    Lieber Clemens, leider beschreibst Du nicht was „wir“ angeblich für ein Problem in der Berichterstattung haben. Berichterstattung ist zunächst mal wertungsfrei. Darüber hinaus nehmen „wir“ mehrfach in Kommentaren zu demokratischen Rechten Stellung: Deutlich und mit dem Recht zur eigenen Meinung! Die muss freilich nicht deckungsgleich mit Deiner Meinung sein. Aber nachdem selbst Rosa Luxemburg schon bemerkte „Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden!“, wird es sicher zu ertragen sein.

    Kausale Zusammenhänge zu erkennen ist dann das nächste, bis hin zum Begreifen, dass dieser Staat nun mal Regeln hat. Gegen diese kann man verstoßen, aber dann sei man gewahr „Es gibt auf den Deckel!“, zunächst mal wurscht wo man politisch steht.

    Äußerst Interessant finde ich zu Deinen Einlassungen zum Thema Satire. Die Satire wird dann also auch noch neu definiert und an das Häkchen der eigenen politischen Vorstellung gehangen? Damit es dann auch für Satire reicht… ???
    Tipp: Geschichtliche Beschäftigung wie es zu den Weltkriegen kam, insbesondere die Betrachtung der Klassenkämpfe (in Wort und Tat) soll manchmal helfen. Eberso die Reaktionen der damaligen politischen Mitte.
    Da ich der Autor des Opa Textes bin, weiß ich sehr genau was da steht. Partielle Wort-Popeleien werden Kontext nicht aufweichen können… Das die Worte als „unangenehm“ Klassifiziert werden, dafür bedanke ich mich ausdrücklich. Ein Kuschelkurs war auch niemals meine Absicht. Das gilt ebenso für den Begriff „Merkwürdig“, der Sinn liegt ja schon im Wortstamm.

    Darüber hinaus ist mir die Flaschenpost ein Werk der Diplomatie. Deren Inhalt bejahe ich, die quasi „entschuldigende Attitüde“ lehne ich ab. Es wird mehrfach das Bekenntnis zur Demokratie abgelegt, wir propagieren hier nicht den „Kampf auf der Strasse“, der sich wohlgemerkt vom Gegenprotest immernoch unterscheidet…

    schönes we

  3. 0381

    6. August 2013 um 23:50

    Interessant, werter „Schreiber“ (Auto scheint mir zu vermessen)
    allein die Wortwahl „In dieser Woche beglückte die NPD (…)“ zeigt doch nur eins – entweder seit ihr auf dem rechten Auge tatsächlich blind, oder aber es ist der verzweifelte Versuch, dieser „Informationsseite“ neben belanglosem Sport tatsächlich ein paar Klicks und Aufmerksamkeit zu bescheren. Geglückt ist dies immerhin zu zwei Kommentatoren, die sich dieses Geschreibsel tatsächlich nicht nur durchgelesen haben, sondern darauf reagieren. Fazit: Wenn es Satire ist, ist der Autor leider nicht in der Lage, selbige auch nur annähernd zu zeigen, daher sollte also der im „geheimen“ verborgene Autor doch noch ein wenig üben, bevor ihr ihn das nächste Mal eine Plattform bietet.

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