Moin, lieber Till Backhaus

Flaschenpost - die Kolumne jeden Freitag im ROSTOCKER JOURNAL. Foto: GÜNTHER GUMHOLD / PIXELIO.DE

Jeden Freitag spült die Ostsee eine Flaschenpost an den Strand. Der dort enthaltende Brief richtet sich an eine Person oder eine Gruppe von Rostockern. Meinungsstark und pointiert befasst er sich mit den Geschehnissen der Woche.

 

Moin, lieber Till Backhaus,

in Ihrer Haut möchte ich nicht stecken. Zum einen, weil sie sicher noch weh tut. Wie überall zu lesen war, hatten Sie einen Fahrradunfall. Zum anderen aber, und das ist schlimmer als alle blauen Flecken, liegt gegen Sie eine Anzeige wegen Körperverletzung vor.

Wie ich las, behauptet der Rentner Bernd Seibel, nach einem Streit auf der Straße wäre er von Ihnen ins Gesicht geschlagen worden. Sie sagen, Sie hätten sich nur über das unvorsichtige Vorbeifahren an ihrem Fahrrad geärgert. Schließlich war im Anhänger hinter Ihnen ihr kleiner Sohn und direkt dahinter fuhr Ihre Frau.

Ich kann mir gut vorstellen, wie aufgebracht Sie waren. Ihre Frau rief die Polizei, der Mercedes-Rentner wollte fliehen und Sie hielten ihm am Hemd fest  – das ist Ihre Version.

Dabei ist es völlig egal, wer nun Recht hat. Es bleibt hängen: Der Backhaus, der war da in irgendeine körperliche Auseinandersetzung verwickelt. Manch einer hört nicht genau hin, verfolgt den Fall nicht so genau und kriegt auch gar nicht mit, wie es ausgeht.

Die Geschichte des Mercedes-Rentners klingt für mich jedenfalls unglaubwürdiger als Ihre Version. Wenn Sie dann entlastet werden, wen interessiert das noch? Das war bei Jörg Kachelmann und Christian Wulff am Ende auch egal.

Es ist wie moderne Hexen-Verbrennung. Ab auf dem Scheiterhaufen mit dem Politiker! Er war’s nicht? Oh, der Haufen brennt schon… Wo bleibt die Unschuldsvermutung?

Die „Schweriner Volkszeitung“ fragt Sie: „Kein Faustschlag, kein Prügel-Minister, Herr Backhaus können Sie das beweisen?“ Jetzt müssen Sie schon beweisen, dass Sie unschuldig sind. Dabei muss eigentlich in Deutschland die Schuld bewiesen werden, nicht umgekehrt.

Und dann Ihre Familie. Vor Ihrem Haus lauern sie, die Journalisten, und warten auf ein Statement. Dabei könnte man Sie doch anrufen und fragen, ob Sie was zu sagen haben. (Einige von denen, die dort lauern, belächeln gern anderen Journalisten, die ebenfalls vor anderen Türen lauern. Ob jemand ein schäbiger Gossen-Journalist ist, oder nicht, ist offensichtlich sehr relativ.)

Es klingelt ständig an der Tür, Ihr Sohn kann nicht schlafen, er lebt jetzt bei den Großeltern. Es muss eine scheiß Zeit sein. Kind weg, Schmier-Reporter mit Kamera vor der Tür, Knie schmerzt.

Das Schlimmste ist jedoch das, was unterschwellig hängen bleibt. Ich wünsche Ihnen, dass alle mitkriegen, wie der Fall nun wirklich ausgeht.

Bis zur nächsten Freitagswelle

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3 Comments

  1. Honneker

    17. August 2013 um 01:18

    Mein Gott, was für eine arschkriecherische, schleimige, systemkonforme Scheiße! Widerlich und zum Kotzen!

  2. MIlan

    17. August 2013 um 12:57

    Oha… da hat jemand was gegen das System :D… Honneker schreibt man übrigens anders ;-). (Honecker) Guter Artikel zur Medienarbeit von heute.

  3. Pingback: Online-Detektiv-Spiel zum Fall Till Backhaus: Der Minister, der Rentner und der Gendarm - Rostocker Journal

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