Analyse nach Bochum-Desaster

Von JOHANNES LOEPELMANN

Es geht also so weiter wie es aufgehört hatte. Hansa spielt eigentlich ganz gefällig, kassiert aber mindesten ein Tor zu viel. Wie schon vor der Winterpause macht man sich das eigene, couragierte Spiel mit wenigen dummen Fehlern kaputt.

Doch eins nach dem anderen: Die erste Halbzeit beginnt für Hansa ziemlich grausam. Nach kurzem Abtasten übernimmt Bochum die Kontrolle über das Spiel, weil Hansa nicht in ebenjenes reinkommt. Es wirkt ein bisschen so, als ob sich das Team erst noch finden muss. Mit Janecka, Borg und Jordanov standen immerhin auch drei Spieler auf dem Platz, die vor vier Wochen noch nicht zum Team gehörten.

„Wunderkind“ Edisson Jordanov hatte wie alle anderen auch in der ersten Hälfte große Probleme ins Spiel zu kommen. Ausdruck des ganzen war dann das 0:1. Bevor die Spieler begriffen hatten, was Bochum da eigentlich spielt war der Ball auch schon im Tor. Der verschossene Elfmeter von Marek Mintal ließ dann noch schlimmeres erwarten. In der Halbzeit fand Coach Wolfgang Wolf aber scheinbar die richtigen Worte und wechselte Kevin Pannewitz für den miserablen Dexter Langen ein, Jordanov ging auf rechts und Panne spielte im defensiven Mittelfeld neben Marek Janecka.

Diese Änderung wirkte sich sofort positiv aus, Hansa spielte breiter, war über rechts wesentlich gefährlicher, vor allem Jordanov nutze die Räume dort sehr gut. Das 1:1 war dann irgendwann eine logische Konsequenz der Leistung in der zweiten Halbzeit – wenn auch mit etwas Glück.

Im Allgemeinen zeigte Freddy Borg einige sehr starke Szenen, er könnte dem Spiel der Mannschaft möglicherweise genau das liefern, was bisher gefehlt hat: Ein zweikampf- und schussstarker Stürmer. Wir werden sehen ob er solche Leistungen regelmäßig abrufen kann. Das 2:1 war dann ein Gegentor aus der Kategorie „Abstiegskrampf“.

Wenn du kein Glück hast (den Ball in mehreren Versuchen nicht wegbekommen) kommt auch noch Pech dazu (irgendein Gegner stochert noch an nem Kullerball rum und fälscht ihn unhaltbar ab). Naja. Danach dann immerhin noch einmal das Zeichen der Mannschaft, dass sie noch mal ein Tor erzielen will. Die Möglichkeit war sogar da, hätte aber irgendwie nicht ins Bild des Spiels heute gepasst. Am Ende also mal wieder eine Niederlage.

Doch woran lag’s? Nach ermutigenden Testspielen in der Winterpause (u.a. 3:0 gegen Bremen, 0:0 gegen Mattersburg) sah dieses Spiel wieder mehr wie das „typische“ Hansaspiel aus der Hinrunde aus. Der Druck lastet schwer auf den Spielern. Gewundert habe ich mich auch, dass Wolf trotz der Ankündigung „schnell über die Aussen“ spielen zu wollen, doch wieder ein klassisches 4-2-3-1 aufgestellt hat, was zwar Überzahl im zentralen Mittelfeld gibt, aber nicht den gewünschten Druck über die Flügel erzeugen konnte. Konsequenter wäre wohl ein 4-4-2 gewesen und hätte auch besser zum Konterspiel auswärts gepasst. Naja.

In der Halbzeit reagierte Wolf und veränderte das Spiel wie oben bereits beschrieben derart, dass wesentlich mehr Angriffe zumindest über rechts kamen. Auffällig waren ebenfalls extrem viele Fehlpässe im Aufbauspiel. Gerade die Spieleröffnung aus der Verteidigung heraus war ein Problem. Matthias Holst spielte insgesamt 9 Fehlpässe, zusammen mit Pelzer und Mintal die meisten eines Hansa-Spielers an diesem Spieltag. Ingesamt war das Pass und Aufbauspiel von Hansa ziemlich nervös. Gute Ansätze waren da, die Sicherheit fehlte jedoch oftmals. Wenn die Spielzüge allerdings mal klappten sah es gar nicht so schlecht aus, was die Spieler dort auf dem Feld veranstalteten.

Die Hektik war leider auch vorne im Angriff zu spüren. Hansa hatte zwar marginal mehr Torschüsse als Bochum, feurte von den 16 abgegebenen allerdings auch 9 von ausserhalb des Sechzehners ab. Ausdruck zu großer Hektik im letzten Spieldrittel. Oftmals wäre ein Pass die bessere Variante gewesen, viele Flanken kamen zu früh und der Spieler hätte noch näher an die Grundlinie gehen können. Dann hätte man bestimmt auch Mintal im Zentrum effektiver einsetzen können. Naja, alles Dinge die durchaus im Trainig verbessert werden können.

Wenn die Mannschaft jetzt nicht einbricht sondern dieses Spiel als Wegweiser in eine bessere Zukunft nimmt, kann sich da noch etwas entwickeln. Nur schnell muss es passieren. Zu Hause gegen Duisburg müssen drei Punkte her, sonst ist es schon fast zu spät.

 

Einzelbewertung:

Kevin Müller (Tor): Verhinderte mit mehreren starken Paraden eine höhere Niederlage. Gewohnt guter Rückhalt in der Defensive, bei beiden Gegentoren machtlos. 2+

Peter Schyrba (RV): War kaum zu sehen, was für einen Verteidiger nicht per se schlecht ist, sagt aber auch ne Menge über seine Offensivaktionen. 4

Matthias Holst (IV): Starke Zweikämpfe, schwache Spieleröffnung. Mit mehr Ruhe im Aufbau allerdings der wichtigste Mann in der Verteidigung. 3+

Stephan Gusche (IV): Unauffällig. Liess sich einige Male zu leicht Überspielen. 3-

Sebastian Pelzer (LV): Gewohnt großer Einsatz, Zweikampfstark und wichtigster Mann im Spielaufbau. Leider immer mal wieder mit einigen Fehlern im Spiel. Zudem leicht ausrechenbar, wenn er der einzige Aufbauspieler ist. 3

Marek Janecka (DM): Unaufgeregtes Spiel von ihm, keine großen Fehler, schaltete sich zum Ende auch mal in den Angriff ein. Macht Lust auf mehr. 3

Edisson Jordanov (DM, RM): Im defensiven Mittelfeld zunächst ohne Bindung zu Spiel und Gegner, im rechten Mittelfeld mit guter taktischer und spielerischer Leistung. Hatte zum Ende das 2:2 auf dem Fuß, vergaß aber zu schiessen. Weiter so! 2-

Timo Perthel (LM): Hatte große Mühe, sich auf seiner Seite offensiv durchzusetzen. Zwischendurch komplett abgetaucht. 4-

Marek Mintal (OM): Versuchte im Zentrum das Spiel zu lenken, stieß aber zu häufig auf Gegenwehr der Bochumer. Hansa muss variabler spielen um ihm mehr Raum zu verschaffen. 3

Dexter Langen (RM): Furchtbares Spiel von ihm. war auf seiner Seite kaum aktiv, machte das Spiel langsam und kam mit Gegner und auch der eigenen Mannschaft nicht zurecht. 5

Freddy Borg (ST): Hoffnung! Ein Stürmer, der groß, zweikampfstark und schussgewaltig ist? Klingt fast zu schön um wahr zu sein. Wenn er diese Leistung noch einige Male wiederholt, könnte er schnell zum neuen Publikumsliebling werden. 1-

Kevin Pannewitz (DM): Der verlorene Sohn fügte sich in Halbzeit zwei wieder unauffällig in die Mannschaft ein und funktionierte dort gut, gab allerdings wenige Impulse im Angriff. Wenn er vollkommen fit ist aber einer der wichtigsten Spieler für Hansa. 3+

Tom Weilandt (RV): Ersetzte Schyrba und zeigte wie es auch geht. Gutes Spiel von ihm, setzte im Angriff Akzente ohne hinten auf zu machen. Für mich hat er sich einen Startplatz verdient. 2

Tobias Jänicke (OM): Kam 10 Minuten vor Schluss und hatte noch einige Aktionen, aber nicht mehr genug Zeit um eine davon zu verwandeln. Hoffentlich spielt er demnächst wieder häufiger. (Ohne)

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