Drei Rote, Zwei Elfer und eine Spielunterbrechung: Hansa mit denkwürdigem 1:1 gegen Osnabrück

FOTO: Die Hansafans präsentieren zu Spielbeginn eine Choreografie.

Die Drittligapartie des FC Hansa Rostock gegen den VfL Osnabrück versprach im Vorlauf vor allem eine sportlich spannende Angelegenheit zu werden. Schließlich trafen mit den Rostockern und dem VfL zwei Konkurrenten um die Aufstiegsplätze gegeneinander an, die siegreiche Mannschaft hätte an RB Leipzig (mit 1:2 gegen Duisburg unterlegen) heranrücken können, doch es kam anders.

Es war eine Partie mit vielen Gesichtern. Schiedsrichter Tobias Stieler hatte gleich zu Beginn knifflige Situationen zu lösen und entschied bereits beim ersten Osnabrücker Angriff auf Elfmeter für die Gäste– Hansas Defensive war beim ersten Ball in den eigenen Strafraum unsortiert, Keeper Jörg Hahnel kaum aus seinem Kasten, konnte den Ball jedoch nicht entschärfen und brachte Radjabali-Fardi so in einen Zweikampf im Strafraum bei dem der Schiri ein Foul sah und auf den Punkt zeigte.

Feldhahn trat an und verwandelte sicher: 1:0 für den VfL. Hansa hatte in dieser Phase große Probleme Zugriff auf das Spiel zu kommen, man merkte den Spielern die Verunsicherung nach dem frühen Rückstand an. Kurz nachdem sich Hansa etwas fangen konnte und die erste gute Chance durch Plat hatte (17′, knapp vorbei) zeigte Stieler in der 22. Minute erneut auf den Punkt!

Diesmal war Mendy der Unglücksrabe, er traf seinen Gegenspieler im Strafraum. Eine vertretbare Entscheidung des Unparteiischen. Diesmal trat Grimaldi an, doch Hahnel konnte den Strafstoß parieren und so seine Mannschaft im Spiel halten. Kurz darauf konnte sich der wiedergenesene Julian Jakobs auf der rechten Seite durchsetzen und schloss cool zu Ausgleich ab.

Doch die Freude bei den Fans währte nur kurz: In der 33. Spielminute sah Milorad Pekovic vom Schiri glatt Rot, er soll den Schiedsrichter beleidigt haben. Die Stimmung im Stadion heizte sich immer mehr auf, jeder Pfiff durch den Schiri wurde lautstark kommentiert.

Und es ging weiter: In der 41. Minute bekam mit Sascha Schünemann der nächste Rostocker den roten Karton nach einem Foul im Mittelfeld gezeigt. Der Osnabrücker Iljutcenko musste anschließend länger behandelt werden und wurde danach von Sanitätern vom Platz getragen.

Im Spiel war jetzt viel Aggressivität, jeder Zweikampf wurde mit härte geführt, dem Schiedsrichter entglitt die Partie. Dennoch konnten sich die Rostocker zu neunt mit einem Unentschieden in die Halbzeit retten.

Der Plan von Hansa in der zweiten Halbzeit war klar: Irgendwie in doppelter Unterzahl das Unentschieden über die Zeit bringen. Dafür brachte Trainer Andreas Bergmann zwei neue Akteure aufs Feld: Tommy Grupe und Sebastian Pelzer ersetzten Johan Plat und Julian Jakobs. Zwei Defensivspezialisten für zwei Offensivspieler.

Von Anfang an war klar wie das Spiel ablaufen wird: Osnabrück mit viel Ballbesitz um den Rostocker Strafraum verteilt, Hansa mit allem was sie noch hatten im und um den Strafraum positioniert um den Ball nicht in die gefährliche Zone zu lassen. Die Mannschaft kämpfte, die Fans im Stadion waren immer noch ob der Schiedsrichterentscheidungen aufgebracht. Als dann auch noch ein Osnabrücker Spieler direkt vor der Südtribühne nach einem Zusammenprall mit einem Mitspieler liegen blieb flogen Gegenstände aufs Spielfeld. Grund genug für Schiri Stieler die Partie zu unterbrechen– die Teams gingen wieder in den Tunnel.

Nach einer Durchsage dass das weitere Werfen zu einem Spielabbruch führen würde und einer zehnminütigen Pause ging es dann aber weiter. In der Folge entwickelte sich eine bemerkenswerte Abwehrschlacht des Rostocker Teams. Immer und immer wieder flogen die Bälle der Osnabrücker in den Rostocker Strafraum, immer wieder konnte Hansa klären. Jeder gewonnene Zweikampf, jeder Einsatz auf dem Platz wurde von Spielern und Fans frenetisch bejubelt.

Osnabrück erhöhte den Druck immer weiter, doch selbst gefährliche Situationen konnten die Rostocker in Gemeinschaft klären. Torhüter Hahnel musste einige Male entscheidend eingreifen, doch seine Vorderleute sorgten mit einer herausragenden Laufleistung und großartigem Einsatz dafür, dass der Ball nicht mehr seinen Weg ins Rostocker Tor fand. Kurz vor Schluss bekam dann auch noch der eingewechselte Osnabrücker Testroet die gelb-rote Karte für ein Foulspiel an Hansa-Keeper Hahnel– ein Ausdruck der Frustration der Gäste, die dieses Spiel eigentlich mit doppelter Überzahl hätten gewinnen müssen.

Schlussendlich konnte Hansa das Unentschieden mit Glück und Geschick über die Zeit bringen. Der Abpfiff wurde von Spielern und Fans wie ein Sieg bejubelt, durch die Moral auf und neben dem Platz hatten sich das Team und die Fans diesen Punkt verdient. Es war kein schönes Spiel, Verlauf und Ausgang waren komplett durch strittige Schiedsrichterentscheidungen bestimmt, doch am Ende halfen Zusammenhalt und Moral um doch noch ein positives Ergebnis zu erzwingen.

Johannes Loepelmann betreute die Sport-Rubrik beim ROSTOCKER JOURNAL und berichtete über den FC Hansa Rostock.

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