Die Macher vom Rostocker CSD im Interview: „Wir wollen provozieren“

André Kurth (r.) und Mathias Luther (M.) vom CSD-Verein im Gespräch mit dem ROSTOCKER-JOURNAL-Reporter Kevin Dusch (l.). Foto: CHRISTOPH HERZ

Am Samstag ist es so weit: In Rostock findet dieses Jahr der bereits 11. Christopher Street Day statt. Kurz vor dem großen Tag trafen wir zwei der drei Vorstände des CSD-Vereins, Mathias Luther und André Kurth, zum Interview.

Von KEVIN DUSCH

Braucht Rostock überhaupt noch einen CSD?

Mathias Luther: Auf jeden Fall! Wir haben in Sachen akzeptanz bundesweit zwar schon sehr viel geschafft, aber politisch noch längst nicht alle Ziele erreicht. Außerdem geht es beim Christopher Street Day ja nicht NUR um politische Ziele, er ist auch eine tolle Möglichkeit, zusammen ins Gespräch zu kommen, zusammen zu feiern und Spaß zu haben, für Schwule, Lesben, Bisexuelle, Familien und Singles. Und man sollte sich auf keinen Fall auf dem bisherigen Erfolg ausruhen.

Ist denn der CSD die richtige Variante, die Menschen aufzurütteln und sie aufzufordern, sich mit diesen Themen zu beschäftigen? Manch einer wird doch sicher auch durch diese bunte Feier und die gewagten Kostüme abgeschreckt.

André Kurth: Zunächst einmal ist das alles kein Zwang. Wir bieten jedem Menschen die Möglichkeit, Teil dieses großartigen Tages zu sein, aber wer nicht will, muss nicht. Zu den Kostümen ist zu sagen: Wir wollen provozieren. Ich denke, sie machen eher aufmerksam auf unsere Botschaft, als dass sie abschrecken.

André Kurth (r.) und Mathias Luther (l.) vom CSD-Verein beantworten unsere Fragen. Foto: CHRISTOPH HERZ

André Kurth (r.) und Mathias Luther (l.) vom CSD-Verein beantworten unsere Fragen. Foto: CHRISTOPH HERZ

Was unterscheidet den Rostocker CSD von anderen?

André Kurth: Zunächst die Größe, denn hier in Rostock veranstalten wir einen der größten Christopher Street Days im Norden. Dazu kommt, dass Rostock eine sehr attraktive Stadt ist, auch für Touristen, und so bekommt man hier ein weit größeres Publikum als anderswo.

Das Thema, was in der letzten Woche an keinem Rostocker vorbeigegangen ist: Die stark umstrittenen Auflagen der Stadt. Letztendlich konntet ihr euch durch überzeugende Öffentlichkeitsarbeit dagegen wehren, aber hätte der CSD auch mit diesen Auflagen stattfinden können?

Mathias Luther: Das ist schwer zu sagen. Ich denke allerdings nicht, dass wir das ganze einfach abgesagt hätten, dazu haben wir einfach zu viel Arbeit und Leidenschaft reingesteckt. Trotzdem, es wäre etwas ganz anderes gewesen und hätte auf keinen Fall unsere Erwartungen und die Planung erfüllt. Aber darüber sollten wir nicht nachdenken: Wir haben es geschafft, dass alles wie geplant stattfinden kann, wahrscheinlich sogar größer als gedacht. Denn das Ganze hat auch etwas Positives: Wir haben in der Öffentlichkeit sehr viel Aufmerksamkeit und Zuspruch erhalten.

Sind radikale Gegenbewegungen ein allgegenwärtiges Problem?

Mathias Luther: Da sind sie auf jeden Fall, aber damit rechnet man ja. Zu Ausschreitungen kam es meines Wissens hier in Rostock erst einmal: Vor zwei Jahren wurden faschistische Parolen wie „Schwuchteln vergasen“ an die Deutsche-Post-Filiale am Neuen Markt gesprayt. Das ist natürlich alles andere als schön, aber wir sind froh, dass als den einzigen negativen Zwischenfall nennen zu können. Aber wir machen uns darum auch nicht allzu viele Sorgen, denn wir haben die volle Unterstützung der Stadt und der Polizei.

Gibt es denn etwas, wovor ihr jetzt kurz vor dem 11. Rostocker Christopher Street Day wirklich Angst habt?

André Kurth: Unsere größte Angst? Dass wir vom launischen norddeutschen Wetter überrascht werden.

Kevin Dusch begann seine Laufbahn als Journalist beim ROSTOCKER JOURNAL und arbeitete inzwischen bereits für verschiedene Tageszeitungen. Ehrenamtlich engagierte er sich bei Konferenzzeitung vom „Baltic Model United Nations“.

4 Comments

  1. mormaler gesunder mensch

    16. Juli 2013 um 09:27

    schade das rostock keinen ars… in der der hose hat und diese veranstaltung zu verbieten.

    • Iapetos

      19. Juli 2013 um 11:40

      Warum sollte die Stadt das tun?

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