Kommentar zum Fall Backhaus: Schmutzige Medien!

Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD). Foto: BOBO11 (CC-BY-SA)

Viel geschrieben wurde in den letzten Tagen zur Causa Till Backhaus. Und viel wurde bereits vorverurteilt. Ob der Agrarminister nun einen Rentner geschlagen hat oder nicht, sollen die Gerichte klären, findet unser Autor Oliver Döhring – und kündigt eine virtuelle Recherchereise an. Fortsetzung folgt.

 

Ein Kommentar von OLIVER DÖHRING

Eine Provinzposse: Die Geschehnisse um den „Unfall“ von Landwirtschaftsminister Till Backhaus mit einer möglichen „Unfallflucht“ treiben zuweilen eigenartige Blüten.

Ein völlig entfesselter Rechtsanwalt Dr. Peter-Michael Diestel, darf sich ungefiltert in den Medien in Beschimpfungen und Ehrverletzungen an einem Politiker vergehen, ohne dass ein gerüttelter Teil der Medien wenigstens den Anstand hätte zumindest im Ansatz zu recherchieren. Man nennt es Politiker-Bashing und so etwas macht offensichtlich richtig Spaß.

Denn: Er ist Politiker, also per se nicht ganz koscher.

Stimmt’s? „Politiker machen doch eh, was sie wollen!“ Und überhaupt: „Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen.“

Jetzt trifft es den armen Rentner Herrn Seibel, der selbstverständlich wie der arme David gegen den bösen Familienvater Goliath (mit Namen Backhaus) antreten muss.

Man weiß zwar nichts Genaues, die Ermittlungen laufen noch, ABER der Schuldige ist gefunden: Es kann ja nur dieser Backhaus sein, dieser Politiker! Oder nein, dieser „kleine dicke Despot, der sich aufführt, als wenn das gesamte Land ihm gehört!“, von dem man dachte, „er sei geisteskrank“, wie es „Staranwalt“ Dr. Diestel bei seinem NDR Auftritt zum Besten geben durfte.

Nun, jetzt wo DAS mal raus ist… Sind wir alle zufrieden?

Ich als Journalist, der seit fast 25 Jahren in den Medien arbeitet, bin es nicht. Ehrlich, ich war einigermaßen erstaunt wie bereitwillig die Presse Statements von einem Anwalt ohne zu hinterfragen übernimmt und abdruckt. Die Frage nach einem „Wahrheitsgehalt“ schlicht nicht von Interesse. Eine Gegenfrage? Fehlanzeige! Dafür waren die wörtlichen Einlassungen von „Staranwalt“ Diestel wohl doch zu geil.

Gut, man verabredete sich zu einem Fototermin, bei dem der Rentner Seibel, sein „Hämatom“, natürlich der Mercedes und der verdammt lässig und gutaussehende Dr. Peter-Michael Diestel von Interesse ist. Diestel und seine Sprüche – die interessieren, nicht aber die örtlichen Gegebenheiten!

Dass mit den Diestel-Statements einen Landesminister gleichzeitig zum Freiwild erklärt wird, was juckt es schon. Uninteressant!

Nein, man muss den Politiker Backhaus nicht mögen, man muss die SPD nicht mögen, es darf einem sogar der Begriff „Politik“ zum Halse heraus hängen. – Nur darum geht es hier nicht!

Ich greife sehr gerne einen der weniger heftigen Sätze Diestels auf: „Für Backhaus haben die allgemeinen Regeln zu gelten!“.

JA, für Backhaus gelten die allgemeinen Regeln. Sie gelten! Diese allgemeinen Regeln haben Pflichten und – Achtung – RECHTE! Das Recht, nicht verleumndet zu werden gehört da dazu.

Überdieß bleibt die generelle Frage: Ist Diestel klar, dass Prozesse im Gerichtssaal geführt werden und nicht in den Medien? Gut, es sei denn man möchte Stimmung machen.

Haben Sie sich mal gefragt, warum die Distel so stichelt? Das Erkläre ich Ihnen morgen.

Ich nehme Sie mit auf eine kleine Recherche, bei der Sie ein bischen Detektiv spielen dürfen. Aufkommende Fragen werde nicht ich Ihnen beantworten, es reicht Ihr gesunder Menschenverstand!

Oliver Döhring volontierte beim Süddeutschen Verlag, war akkreditierter Journalist am Deutschen Bundestag, arbeitet für mehr als zehn deutsche Radiostationen und kam im Juli 2013 als Editor-at-Large zum ROSTOCKER JOURNAL.

3 Comments

  1. B

    16. August 2013 um 00:09

    Eine wichtige hier aufgeworfene Frage sollten Sie bitte doch noch beantworten: Wie heißt der Rentner denn nun wirklich?
    Sei-b-el oder Sei-d-el?

  2. Bettina

    16. August 2013 um 12:08

    Wie ist denn nun der richtige Name des Rentners?
    Seibel oder Seidel?

    • Redaktion

      16. August 2013 um 14:30

      Bernd Seibel – vielen Dank für den Hinweis auf unseren Tippfehler!

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