Jennifer Rostock sagen „Echo“ ab − wegen Frei.Wild!

Foto: Warner Music

Schon im vergangenen Jahr sorgte die „Echo“-Nominierung der Band Frei.Wild für Ärger. Damals sagten die Nominees Mia und Kraftklub ihre Teilnahme ab. Die Begründung Sie wollten nicht gemeinsam mit einer Band nominiert sein, die nationalistische Texte macht.

In diesem Jahr springt auch die aus Mecklenburg-Vorpommern stammende Band Jennifer Rostock auf den Zug auf. Die Musiker erklärten, ebenfalls nicht beim Echo aufzukreuzen – DABEI SIND SIE NICHT MAL NOMINIERT!

Denn: Wegen der erneut hohen Verkaufszahlen sind Frei.Wild wieder im Rennen um einen der begehrten Musikpreise. Die Nominierung für die „Echo“ richtet sich bekanntlich strikt nach Verkaufszahlen.

Courage oder einfach nur peinlich? Die Szene jedenfalls diskutiert wild. Mitgeteilt haben Jennifer Rostock ihre Absage als Zuschauer beim Echo 2014 nämlich mit einem offenen Brief.

Und dessen Betreffzeile „Vorsicht: Lang! Und: kein Hoeneß! Aber: Echo! Und: Frei.wild! Da steht ihr doch auch ein bisserl drauf!“, sorgt in nicht wenigen Redaktions-Stuben für Stirnrunzeln.

Das ROSTOCKER JOURNAL veröffentlicht den kompletten Wortlaut des Briefes

„Vorsicht: Lang! Und: kein Hoeneß! Aber: Echo! Und: Frei.wild! Da steht ihr doch auch ein bisserl drauf!

Verehrte Musikanten und Musikantenwirtschaftende.

Was ist 2014 los mit euch?

Der Echo steht auf der Türschwelle und nahezu NIEMAND hat sich bis dato zu der Thematik geäußert, die noch letztes Jahr für einen Riesen#aufschrei sorgte. Weder Künstler noch Industrielle. Ja, es geht natürlich um die Nominierung unserer allseits beliebten blut- und bodenneutralen tiroler Partisanenkapelle.

Es ist mir bewusst, dass der Echo stumpfen und damit quasi wertneutralen Regularien gehorcht. Du verkaufst, du bist nominiert. Dementsprechend gewinnt im Normalfall die konsenstauglichste Belanglosigkeit. Wobei ich es generell für schlechtweg dumm halte, Verkaufszahlen als Maßstab zur qualitativen Bewertung von Musik heranzuziehen. Diese Praxis sollte dringend überdacht werden, damit „Deutschlands wichtigster Musikpreis“ tatsächlich irgendwann mal so etwas künstlerische Authentizität erlangen kann. Vielleicht könnte 2015 ein weiterer hochproduktiver Rat zu dieser Thematik tagen. Höhö. Ich schweife ab, zurück zum Thema: denn wie schon letztes Jahr gibt es auch 2014 eine Abweichung von Normalfall, nämlich Frei.wild. Das Argument, die Band käme aus Norditalien und sie in einer „nationalen“ Kategorie untergebracht zählt leider nicht, diverse Mitglieder sind wohl mittlerweile in Deutschland gemeldet. Also bleibt einem als logische Konsequenz nur der aus dem letzten Jahr antrainierte Usus: Man geht einfach nicht hin!

Wir, Jennifer Rostock, halten es für ausgeschlossen, einer Veranstaltung beizuwohnen, in der eine Band nominiert ist, die im letzten Jahr aus gutem Grunde ausgeschlossen wurde. Und zusätzlich den Preis verhöhnte, indem sie ihre -berechtigte- Absage zur Eigen-PR ausnutzte und es sich daraufhin in der ihr allseits beliebten Opfernische bequem machte. Es ist uns nicht nachvollziehbar, wie nach dem allgemeinen Aufruhr, der letztes Jahr im Zuge der Nominierung von Frei.wild herrschte, eine erneute Ernennung überhaupt in Betracht gezogen werden konnte.

Ist es euch das wert, euch stundenlang von einer schmierigen Laudatio zur nächsten zu quälen in der Hoffnung, dass euch die Kamera kurz beim Applaudieren einfängt? Das bisschen Aufmerksamkeit? Oder sind es Freigetränke? Oder weil eure „Freunde“ auch alle hingehen? Zeigt doch lieber Haltung! Nehmt der Veranstaltung ihre Relevanz! GEHT NICHT HIN!

Wir jedenfalls möchten in keiner medialen Berichterstattung rund um die Preisverleihung „auf Augenhöhe“ mit dieser Band erscheinen, nicht in die selben Kameras grinsen müssen und neutrale Miene zum bösen Spiel machen. Jeder andere Musiker sollte sich das ebenfalls ganz dringend durch den Kopf gehen lassen. Wir tolerieren nicht, dass diese Form von reaktionärer Nationaltümelei als ganz selbstverständlich in der Mitte der Gesellschaft akzeptiert wird.

Schade um den Freifusel auf der Party, aber ich wünsche allen anderen Beteiligten viel Spaß, ein dickes Fell oder einen Eingebung der Vernunft.

Shalömchen,

Christough // Jennifer Rostock“

 

Übrigens wurde beim „Echo“ im vergangenen Jahr der „Ethik-Rat“ installiert. Dieser bescheinigte „Frei.Wild“ Unbedenklichkeit, ihre Texte seien im Rahmen des künstlerisch Erlaubten.

Alexander von Hindenburg schreibt seit 1999 für verschiedene Boulevard-Medien. Sein Hauptgebiet sind die Stars & Sternchen. Seine Geschichten reichen von den Celebity’s bis zum Millieu.

1 Kommentar

  1. Sauro

    15. März 2014 um 15:38

    Dieser Ethik-Rat scheint ja nicht sehr professionell zu sein.

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